„Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt bewacht“ – Schiller

Wehe gerät des Feuers Macht außer Kontrolle, dann herrscht Vernichtung, Zerstörung und Chaos.
Solange die Menschheit sich den Umgang mit dem Feuer zu eigen gemacht hat, seitdem wird sie auch immer wieder gefordert, das Feuer zu bekämpfen, dem Feuer zu wehren. So waren viele Jahre vor der Gründung der Feuerwehren die Wohngemeinden bemüht, aus eigener Verantwortung Vorkehrungen zu treffen, um einen Brand Herr zu werden.
Aus einem Protokoll der Gemeinde aus dem Jahre 1840 ist zu entnehmen, daß jeder männliche Bürger, der ohne Gebrechen, verpflichtet ist, im Falle eines Brandes, sich schnellstens zur Brandstelle zu begeben, um Lösch- und Rettungsarbeiten zu verrichten. Die Ausrüstung war der Zeit entsprechend. Mit ledernen Feuerlöscheimern mußte das Wasser aus Brunnen zur Brandstelle gebracht werden. Die Feuerlöscheimer waren zum Teil Geschenke von Brautleuten, die am Tag ihrer Hochzeit überreicht wurden.
Wer als Auswärtiger ein Wohnrecht in Aue erwerben wollte, hatte als Einstand einen Feuerlöscheimer und 15 Taler zu erbringen. Wie laut Protokoll aus dem Jahr 1846 berichtet wird, hat ein Georg Bierschenk aus Kella für das Wohnrecht in Aue diese Zahlung geleistet. Weiterhin kann man lesen, daß 1849 eine kleine Handspritze der Auschen Feuerwehr bei einem Brand in Grebendorf so stark beschädigt wurde, daß sie nicht mehr einsetzbar war. Die Gemeinde Aue verlangte von Grebendorf eine Entschädigung von 15 Talern.
Die Bürgergarde in Aue, die laut Protokoll von 1850 eine Fahne von der Gemeinde erhielt, wurde bei Bränden oder sonstigen Gefahren eingesetzt.

Im Mai 1869 wurde laut Protokoll ein neuer Spritzenmeister und sein Stellvertreter gewählt. Es waren der Leineweber Wilhelm Schuchardt und der Weißbinder Friedrich Schäfer. Die Vorgänger Christian Schilling und Wilhelm Schäfer, so wörtlich, mußten wegen Altersschwäche diese Funktion aufgeben.

Mitte des 19. Jahrhunderts kam man immer mehr zu der Erkenntnis, daß die bisherige Einrichtung des Feuerschutzes nicht mehr ausreichend sei. So waren es in erster Linie die Turnvereine, die sogenannte Turnerfeuerwehren gründeten. Aus diesen Turnerfeuerwehren gingen dann zum großen Teil die Freiwilligen Feuerwehren hervor. So wurde in Wanfried 1865 eine Freiwillige Feuerwehr gegründet und nur 7 Jahre später, 1872, wurde in Aue eine Freiwilligen Feuerwehr ins Leben gerufen. Somit ist Aue, außer Grebendorf, mit eine der ältesten Feuerwehren im Werratal. Jeder Feuerwehrmann erhielt an Ausrüstung von der Gemeinde einen Lederkoppel und eine mit Kunstleder bezogene Schirmmütze. Einen blau-weiß gestreifte mit blanken Knöpfen mußte sich jeder selbst beschaffen (1929 bezahlte man für solch einen Kittel 9 Reichsmark).

Die Einsatzwehr bestand aus einem Löschzug, der 1895 mit einer fahrbaren Handdruckspritze ausgerüstet wurde, und aus einem Steigerzug. Die Männer vom Steigerzug waren ausgerüstet mit einem Messinghelm und einm Hakengurt mit Feuerwehrbeil. Weiterhin gehörte zur Ausrüstung des Zuges eine etwa 10 m lange Leiter, die auf einer Zweiradachse fahrbar war und im Einsatz mit 2 Stützstangen und Zugstricken frei aufgestellt wurde. Bei Übungen bestiegen 4 Steiger in Abständen die Leiter, das Kommando gab der Steigerhauptmann mittels einer Signalpfeife (Hakt ein, Hakt aus, …). Für den Steigerzug kamen nur Bauhandwerker in Frage, denn ein Steiger mußte schwindelfrei sein.

Zur Alarmierung der Wehr standen zwei Hornisten zur Verfügung. Bei Überlandeinsätzen wurde die Handdruckspritze von einem Pferdegespann gezogen und die Mannschaft auf einem mit Pferden bespannten Leiterwagen befördert.

So verfügte die Freiwillige Feuerwehr Aue bei ihrem 50-jährigen Bestehen über 60 Aktive. Unter Leitung von Feuerwehrhauptmann Edmund Decke fand am Jubiläumstag auf dem Sportplatz ein großes Fest statt.

Einen großen Vorteil der Brandbekämpfung brachte der Bau einer Wasserleitung 1935-36.
1937 wurde ein Hydrantenwagen mit der nötigen Ausrüstung beschafft. So war es möglich, durch Wasserentnahme aus einem gut verzweigten Hydrantennetz ein Feuer schnellstens zu bekämpfen.
Nach dem Krieg, 1945, mußte die Feuerwehr, die ja im Dritten Reich in eine Feuerlöschpolizei umgewandelt wurde, wieder neu aufgebaut werden. Zum Feuerwehrhauptmann bzw. zum Ortsbrandmeister wurde Gerd Gress gewählt. Mit jungen einsatzfreudigen Männern gelang es ihm, in kurzer Zeit wieder eine schlagkräftige Feuerwehr aufzustellen.

Unter Bürgermeister Georg Bierschenk wurde 1955 eine Motorspritze (TS8 – Bacher) und ein Geräteanhänger angeschafft. Um größere Mengen Löschwasser zur Verfügung zu haben, wurde auf Antrag der Feuerwehr ein 100 cbm fassender Löschwasserbehälter gebaut. An diesem Bau war die Freiwillige Feuerwehr Aue mit 400 Stunden Eigenleistung beteiligt.
Eine weitere Wasserentnahmestelle wurde durch den Bau eines Brunnens im ehemaligen Schulgarten geschaffen.

1953 feierte die Freiwillige Feuerwehr Aue ihr 75-jähriges Bestehen unter der Leitung von Ortsbrandmeister Gerd Gress. Es war das erste größere Fest das nach den schweren Kriegsjahren in Aue gefeiert wurde.
Ortsbrandmeister Gerd Gress, der 1969 das Amt des Bürgermeisters übernommen hatte, trat nach 22-jähriger Tätigkeit als Ortsbrandmeister zurück und konnte die Feuerwehr an Fritz Schuchardt übergeben.   

Noch im gleichen Jahr konnte Bürgermeister Gress der Wehr das schon lang ersehnte Feuerlöschfahrzeug TSF Marke Ziegler übergeben.

Durch den Umbau eines Teiles der ehemaligen Schule konnte das erforderliche, größere Gerätehaus zur Verfügung gestellt werden.

In der Sorge um den Nachwuchs wurde 1966 eine Jugendfeuerwehr gegründet. 14 Jugendliche traten mit Genehmigung ihrer Eltern in die Jugendfeuerwehr ein. Lothar Schäfer stellte sich als Ausbilder zur Verfügung. Dank der intensiven Ausbildung bestanden alle 14 Jugendlichen schon nach einem Jahr die Prüfung für den Erhalt der Leistungsspange.
Mehrere Jugendliche konnten mit dem 18. Lebensjahr in die Aktive Wehr übernommen werden.

1972 feierte die Feuerwehr Aue ihr 100-jähriges Bestehen. Es war wohl das bisher größte Fest, was jemals in Aue gefeiert wurde. Dieser große Erfolg war in erster Linie das Verdienst des Ortsbrandmeisters Fritz Schuchardt und seinem Kommando.

Die Technik und die Neuerungen gingen auch an der Feuerwehr Aue nicht spurlos vorüber. Anfang der 80er Jahre wurde in Aue die Funksirenensteuerung installiert. Zeitgleich erhielt die Feuerwehr Aue ein Sprechfunkgerät mit der Bezeichnung FuG 7. Ab dieser Zeit war man nun immer über die Leitstelle Eschwege zu erreichen.
Im Jahre 1981 begann für die Feuerwehr Aue und die Feuerwehr aus Ostgroßefehn eine feste freundschaftliche Partnerschaft, die durch die beiden Ortsbrandmeister, Hinrich Kleen aus Ostgroßefehn und Fritz Schuchardt aus Aue, ins Leben gerufen wurde. Seit der Gründung dieser Partnerschaft werden jährlich Freundschaftsbesuche der beiden Wehren bis in die heutige Zeit durchgeführt.

Im Jahre 1984 wurde das vorhandene Tragkraftspritzenfahrzeug TSF, das nun über 15 Jahre in Diensten der Feuerwehr Aue stand, durch ein größeres Löschgruppenfahrzeug LF 8, das man von der Feuerwehr Wanfried übernahm, ersetzt.
Dieses Fahrzeug war zwar nicht mehr das jüngste, die vier vorhandenen Atemschutzgeräte auf diesem Fahrzeug bedeuteten aber für die Feuerwehr und die Einwohner aus Aue eine weitere Verbesserung des Brandschutzes.

Nach der Grenzöffnung Ende 1989 wurde eine Partnerschaft mit der Feuerwehr aus dem thüringischem Niederdorla gegründet. Diese Partnerschaft besteht im Jubiläumsjahr schon 7 Jahre. Großen Anteil an der Gründung der Partnerschaft hatten der Wehrführer von Niederdorla, Wolfgang Daut, und der Wehrführer und Vereinsvorsitzende, Fritz Schuchardt, aus Aue.

Nach Erreichung der Altersgrenze trat nach 22-jähriger Tätigkeit 1991 Fritz Schuchardt als Wehrführer zurück.
Bei den anstehenden Neuwahlen wurde das Amt des Vereinsvorsitzenden und des Wehrführes getrennt. Fritz Schuchardt wurde 1991 zum Vereinsvorsitzenden und Heinrich Schuchardt zum Wehrführer gewählt.

Die Jugendfeuerwehr Aue konnte im Jahr 1992 auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückblicken.

Nachdem das vorhandene Löschgruppenfahrzeug LF 8 nicht mehr dem technischen Standard entsprach, erhielt die Feuerwehr Aue 1994 ein neues, wasserführendes Tragkraftspritzenfahrzeug mit der Bezeichnung TSF/W. Dieses Fahrzeugtyp war einer der ersten mit im Werra-Meißner-Kreis. Die Neuerung an diesem Fahrzeug war ein eingebauter Löschwassertank mit 500 l Wasserund eine eingeschobene Tragkraftspritze mit Elektrostarter.
Einen langersehnten Wusch erfüllte sich die Feuerwehr Aue im Jahre 1995. Der Dachboden über dem Wohnhaus der alten Schule wurde in über 900 Stunden Eigenleistung als Schulungsraum ausgebaut.

Rechtzeitig zum 125-jährigen Jubiläum im Jahr 1997 wurde das Gerätehaus von Grund auf renoviert und der Fußboden gefliest, auch ein neues Tor mit Elektromotor wurde eingebaut. Dies geschah in über 300 Stunden Eigenleistung, die die Feuerwehrkameraden unserer Wehr erbrachten.

 

Fortsetzung folgt ...........